Überblick über Tell Qarqur
Tell Qarqur ist eine bedeutende archäologische Stätte im Orontes-Flusstal im Westen Syriens. Der Standort liegt im fruchtbaren Ghab-Tal, in der Nähe der modernen Stadt Jisr ash-Shugur und einen Kilometer westlich des Dorfes Qarqur. Diese doppelhügelige Stätte hat eine reiche Geschichte, die sich über etwa 10,000 Jahre fast ununterbrochener menschlicher Besiedlung erstreckt.
Historische Bedeutung
Die ersten Belege für eine Besiedlung von Tell Qarqur stammen aus der Vorkeramisches Neolithikum Eine Periode, etwa 8500 v. Chr. Der Ort war durch verschiedene historische Perioden hindurch ununterbrochen bewohnt, mit einem Höhepunkt in der Mamlukenzeit um 1350 n. Chr. Tell Qarqur erlebte eine bedeutende Entwicklung während der Frühbronzezeit (3000–2000 v. Chr.) und später während der Eisenzeit II (1000–500 v. Chr.).
Einer der bemerkenswertesten historischen Hinweise auf Tell Qarqur ist seine wahrscheinliche Identifizierung mit der antiken Stadt Qarqar. Dieser Ort ist bekanntlich mit der Schlacht von Qarqar verbunden, die 853 v. Chr. stattfand, wo eine Koalition levantinischer Königreiche, darunter Streitkräfte aus Damaskus und Israel, stand der neuassyrischen Armee unter Salmanassar III. gegenüber. Diese Schlacht ist in den neuassyrischen Königsannalen und den Kurkh-Monolithen gut dokumentiert.
Archäologische Ausgrabungen
Das archäologische Interesse an Tell Qarqur war beträchtlich. Die ersten wissenschaftlichen Ausgrabungen wurden 1983 und 1984 von den American Schools of Oriental Research (ASOR) und der Brigham Young University (BYU) durchgeführt. Auf diese ersten Erkundungen folgten von 1993 bis 2001 umfangreichere Ausgrabungen unter der Leitung von Dr. Rudolph Dornemann. Diese späteren Ausgrabungen brachten umfangreiche Überreste aus verschiedenen Epochen zutage, insbesondere aus der Frühbronzezeit IV und der Eisenzeit I–II. Zu den bemerkenswerten Funden gehörten Befestigungsmauern, Wohngebäude und ein Tempelkomplex aus dem späteren dritten Jahrtausend v. Chr.
Die Ausgrabungen wurden 2005 unter der Mitfinanzierung der University of Arkansas wieder aufgenommen und zeigten, dass Tell Qarqur während des „4.2 Kilojahre-Ereignisses“, einer schweren Austrocknungsphase, die zum Niedergang der umliegenden Zivilisationen führte, nicht nur überlebte, sondern sich auch ausdehnte. Artefakte dieser Ausgrabungen werden derzeit im Hama-Museum in Hama, Syrien, ausgestellt.
Jüngste Zerstörungen und Schäden
Die archäologische Stätte wurde in den letzten Jahren erheblich beschädigt. Von 2014 bis September 2017 wurde die Stätte teilweise von der Turkistan Islamic Party, einem Ableger von Al-Qaida, zerstört. Diese Zerstörung wurde durch Satellitenbilder dokumentiert und Berichte deuteten darauf hin, dass die Zerstörung von nicht-syrischen Zivilisten überwacht wurde. Darüber hinaus wurde die Stätte während des syrischen Bürgerkriegs durch militärische Aktivitäten erheblich geplündert und beschädigt.
Fazit
Tell Qarqur ist ein Zeugnis der reichen und komplexen Geschichte der menschlichen Zivilisation im Orontes-Flusstal. Trotz der jüngsten Schäden bleibt die Stätte eine wichtige Quelle historischen und archäologischen Wissens und wirft Licht auf jahrtausendealte menschliche Bemühungen und Widerstandsfähigkeit. Die laufenden Forschungs- und Erhaltungsbemühungen sind für das Verständnis des kulturellen Erbes dieser Region und der umfassenderen historischen Erzählungen des Nahen Ostens von entscheidender Bedeutung.
Quellen:




